Be My Eyes – leih´ mir Deine Augen per App

Sehen erleben - erzähl davon

Sind in der Dose Grüne Bohnen oder Ananas? Richtiges Programm für die Waschmaschine gewählt? Welche Bluse passt zum Rock und welche Socken zu der Hose? Die Tür ist zu – aber was steht auf dem Schild?

Was Sehende im sprichwörtlichen „kurzen Augenblick“ lösen können, wird für Blinde und Sehbehinderte manchmal zu echten Hindernissen ihres Alltags.

Der Däne Hans Jørgen Wiberg hatte die Idee zu einer App, die er u.a. mit dem heutigen CEO Christian Erfurt, sowie einem Team von Entwicklern umsetzte.

Aus eigener Betroffenheit und seiner Arbeit beim dänischen Blindenverband wusste er, wie hilfreich Videochats wie Skype oder FaceTime mit Freunden oder Familie sein können, wenn man als Nichtsehender schnelle Hilfe benötigt. Doch es gab nichts in der Art, was auf Menschen mit geringem Sehvermögen zugeschnitten war und auch die besten Freunde sind nicht immer erreichbar.

Die App Be My Eyes verbindet Sehende und Nichtsehende und die Sehenden „verleihen“ für die Dauer des Telefonates gewissermaßen ihre Augen.

Registrierte freiwillige Helfer erhalten eine Anfrage auf ihren Geräten, wenn jemand Hilfe beanspruchen möchte. Die App sucht automatisch einen verfügbaren Helfer in der passenden Zeitzone und richtigen Sprache. Dann wird über die Be My Eyes-App eine Videoverbindung hergestellt. Der Blinde oder Sehbehinderte kann dem Helfer mit seiner Kamerafunktion zeigen um was es geht und die Helfer können beschreiben was sie sehen. So können Gegenstände gefunden werden, eine kurze Stilberatung ist möglich, der Fahrplan wird vorgelesen und vieles mehr – Dinge des täglichen Lebens. Der zwischenmenschliche Aspekt ist die besondere Stärke von Be My Eyes. Die Hilfe kommt von echten Personen, die einfach helfen möchten. Manchmal sind die Kontakte nur kurz und knapp, manchmal ergeben sich längere Gespräche – die Entscheidung liegt bei den Akteuren. Die Helfer können auch eine Anfrage ablehnen, wenn z. B. ihre Situation ein Gespräch gerade nicht zulässt. Dann findet die App in sekundenschnelle den nächsten Helfer.

Erstmals wurde die App 2012 auf einer Veranstaltung für Start-Up Unternehmen vorgestellt und im Januar 2015 wurde die erste Version für iOS veröffentlicht. Bereits nach 24 Stunden hatten sich 10.000 Helfer eingeschrieben.

Seit 2017 gibt es auch eine Version für Android und seit 2023 gibt es den Dienst Be My AI, der in Kooperation mit OpenAI entstand. Hierbei ist es möglich, Fotos von Objekten oder Situationen zu machen. Die KI analysiert diese, beantwortet Rückfragen oder beschreibt Details.

Die Nutzer können selber wählen, ob sie mit einem freiwilligen Helfer oder mit der KI verbunden werden möchten.

Be My Eyes operiert global, ist 24/7 verfügbar in 150 Ländern und 180 Sprachen.

Die Helfer stellen ihre Dienste ehrenamtlich zur Verfügung und für die Nutzer ist das Angebot kostenlos.

Laut eigenen Angaben der Betreiber sind weltweit mittlerweile weit über 9 Millionen Helfer und über 900.000 Blinde und Sehbehinderte registriert.

Quellen:
www.bemyeyes.com
https://de.wikipedia.org/
https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/impulse/inklusion-material/weiterfuehrende-infos/be-my-eyes

Autor/in: Martina Ingerfeld - Bewusstes Sehen, Augenschulung, Alexander-Technik

Der Artikel gibt die Meinung der Verfasserin oder des Verfassers wieder. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Blinder Mann steht vor Klingelschildanlage und telefoniert
Blinder Mann steht vor Klingelschildanlage und telefoniert
Foto: Martina Ingerfeld
Schlagwörter: Be My Eyes App

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