Viele Menschen glauben, dass Personen, die einen weißen Langstock als Hilfsmittel benutzen, gar nichts mehr sehen können. Das muss aber nicht so sein. In Deutschland gilt als gesetzlich blind, wem das Augenlicht vollständig fehlt oder wer auf dem besseren Auge ein Sehvermögen von unter 1/50 (weniger als zwei Prozent) besitzt. Auch, wer noch über ein Restsehvermögen verfügt und beispielsweise Hell und Dunkel unterscheidet, kann demnach als „blind“ eingestuft sein. Personen mit einem Sehvermögen von zwei bis fünf Prozent gelten als hochgradig sehbehindert.

Die häufigsten Gründe für Erblindung in Deutschland können Altersbedingte Makuladegeneration, Glaukom (Grüner Star), Diabetische Retinopathie und in anderen Ländern auch Katarakt (Grauer Star) sein. Eine Vielzahl anderer Erkrankungen, aber auch Traumata oder Unfälle, können zur Erblindung führen. Die Auswirkungen auf das Sehen der betroffenen Personen sind sehr unterschiedlich und variieren durch Art und Fortschritt der Erkrankung extrem.

Zwei Freunde von mir gelten beide als gesetzlich blind.

Er hat ein sehr eingeschränktes Sehvermögen im Zentrum der Netzhaut; Sehen in der Peripherie ist nicht mehr möglich. Sein Sehen ist vergleichbar mit dem Blick durch ein winziges Schlüsselloch – doch was er sieht, erkennt er klar und deutlich. – Sie sieht sehr verschwommen und unklar, hat jedoch ein gutes Gesichtsfeld und dadurch gute räumliche Orientierung. Ihr Sehen ist vergleichbar mit dem Blick durch meterdickes Milchglas.

In ihrem täglichen Leben ergeben sich Situationen wie diese: Er sucht auf seinem Handy nach der Busverbindung (klares Sehen im Zentrum der Netzhaut). Sie findet die Bushaltestelle und erkennt einen ankommenden Bus (Peripheres Sehen und räumliche Orientierung). Er überprüft, ob es der gewünschte Bus ist.

Beide sind durch einen weißen Langstock gekennzeichnet und benutzen diesen als Hilfsmittel zur Orientierung.

Beide können erkennen, wenn ihnen jemand die Zunge zeigt  😊 …

Meine beste Freundin in Kindertagen hatte einen kriegsblinden Opa. Manchmal schalt uns dieser, wenn wir ihm beim Spielen zu laut wurden – er wollte seine geliebte Blasmusik hören.
Wenn meine Freundin sich dann ungerecht behandelt fühlte, streckte sie dem blinden Opa die Zunge heraus. Ich fand das unfair – war es ja auch!

Jedenfalls ist es nie ratsam zu glauben, man würde von einem blinden Menschen nicht gesehen…

Quellen:

https://www.uniklinik-ulm.de/augenheilkunde/okulaere-traumatologie.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Blindheit

https://www.rehadat.de/lexikon/Lex-Blindheit/

Autor/in: Martina Ingerfeld - Bewusstes Sehen, Alexander-Technik

Der Artikel gibt die Meinung der Verfasserin oder des Verfassers wieder. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Blinder Mann mit Langstock und Lichtschutzbrille liest im Handy an der Bushaltestelle
Blinder Mann mit Langstock und Lichtschutzbrille liest im Handy an der Bushaltestelle
Foto: M. Ingerfeld
Schlagwörter: Blind | Makuladegeneration

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